Sassisch? Platt? Nedderdüütsch? – Eine kurze Erläuterung der hier verwendeten Begrifflichkeiten!

Sassich?! – Ja, warum zum Geier? Warum kann der nicht einfach bei geläufiger Sprache bleiben? Gibt ja nun schon genug Auswahl!

Tja…

Sprache ist für mich ein lebendiges Werkzeug, um Dinge auszudrücken, für die Kommunikation, in lebendigen Prozessen und veränderlich. Wenn ein Begriff nicht (mehr) passt oder sich einfach ein Mangel an Ausdrucksmöglichkeit auftut, dann muss halt was passieren. Sei es, Bestehendes aufzubohren und anzupassen, sei es eine Neuschöpfung zu wagen. Das tun wir alle übrigens mehr oder weniger dauernd. Nur meist fällt es nicht auf, und wir werden uns dem gar nicht so bewusst.

Dann fangen wir doch mal gleich mit dem ersten Kanditaten, dem “Plattdeutsch” (Plattdüütsch/platduysk), oft auch einfach kurz

Platt

genannt, an. Warum will der mir nichts taugen?  – Nun, ich lebe im Westmitteldeutschen und hier wird jeder einheimische Dialekt auch Platt genannt. “Platt” das kommt übrigens von “klare, verständliche Sprache (der Leute)”, also ganz ähnlich wie “deutsch” ganz-ganz früher auch mal (wie noch am Wort “deutlich” zu erkennen). Es gibt z.B. Eifeler Platt, Hunrücker Platt, das Platt der Rhön. Eigentlich liegt es da nahe, das  Wort mit “deutscher Dialekt” zu assoziieren. In diese Schublade passt Sassisch aber nicht. Das ist – allen deutschen Einflüssen und Ähnlichkeiten zum Trotz – von der Herkunft und Struktur her sogar eher mit dem Friesischen, dem Englischen, und auch dem Niederländischen verwandt, als mit dem Deutschen.

Sollte uns dann nicht

Niederdeutsch

besser zupass kommen? Betrachte ich persönlich als eine schwierige Frage. Früher wurde “deutsch” ja durchaus für alle kontinentalen, westgermanischen Sprachen verwendet (siehe  engl. “Dutch” = Niederländisch,  und “Pennsylvenia Dutch = Pennsylvenia-Deutsch). Auch das Bundesland Schleswig-Holstein erkennt beide Sprachen als deutsche Sprachen an. Nur: Nach heute gängiger Interpretation, und als Folge jüngerer Geschichte, beschränkt sich “deutsch” bloß noch auf die Sprache der Bundesrepublik (die auch in einigen anderen Staaten Amtssprache ist) und die auf Abgrenzng bedachten Niederlande würden uns was husten. Aus guten Gründen.

Aber die sassische Sprache hört ja nicht auf der Grenzlinie auf! Sondern wird auch in weiten Teilen der Ostniederlande gesprochen. Dort wird die Sprache  (Neder-)Saksies genannt, und es gab in der Vergangenheit auch dort Bestrebungen, diese durch das Niederländische zu überdachen und der Amtssprache anzupassen. Also gar nicht so anders als bei uns.

Dementsprechend national orientiert ist denn auch die Sprachpolitik. Institutionen und Politiker sehen sich ausschließlich für die Sprecher*innen innerhalb der eigenen Staatsgrenzen zuständig. In Zeiten von EU und Globalisierung eigentlich ein Witz. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit findet selten statt. Auch im Bereich der Schreibweisen haben wir es in Deutschland mit dem vorherrschenden Sass mit einem Versuch zu tun, die Verschriftlichung des Sassischen möglich nah an’s Deutsche heranzuführen. Auch wenn das auf Kosten dessen geht, den lautlichen Eigenheiten der Sprache gerecht zu werden. Obendrein eignet sich der Sass auch bloß für die nordsassischen Dialekte. Darum gibt es noch eine Reihe weiterer Vorschläge und Traditionslinien, für Ostfriesland, für Westfalen und noch einige mehr. In den Niederlanden gibt es dafür nach diesem Artikel 10 verschiedene, mehr oder weniger nah am Niederländischen orientierte, Schreibweisen. Es kann also durchaus vorkommen, dass, bei fehlender Kenntnis der Schriftsprache des Nachbarlandes, schriftliche Kommunikation massiv erschwert wird, wo die Unterschiede im Mündlichen überschaubar sind.

Kurz: Alle Kombinationen mit “deutsch” sind mir zu sehr nationalstaatlich gebunden, und wecken entsprechend Assoziationen, als dass ich sie für passende Lösungen halten könnte.

Dann wäre da noch

Niedersächsisch.

Nur, leider, wird das oft mit dem Bundesland Niedersachsen verwechselt, und die Sprache wird ja beileibe nicht nur dort gesprochen.

Zu guter Letzt bleibt noch

Sächsisch,

nur das wird, seitdem Titel und Würde des Herzogs von Sachsen im Mittelalter aufgrund politischer Vorgänge nach Meißen gingen, im Allgemeinen eher mit den Meißnisch-Osterländischen Dialekten des Ostmitteldeutschen verbunden.

Natürlich könnte ich anfangen mit “Obersächsisch” oder “Meißnerisch” zu hantieren,  aber das ist mir einfach zu umständlich, und außerdem: Warum nicht dem Kind einen neuen Namen geben, dessen Annerkennung und Status als Sprache ja auch noch relativ jung ist? Und damit auch bewusst einen Akzent setzen und Bewusstsein schaffen?

Sassisch/sassisk

bedeutet Sächsisch im westlichen Nordniedersächsich, während es in Schlewig-Holstein eher Sas’sch/sassk heißt. Dort sagt eins aber auch Däänsch/däänsk, Hollännsch/hollänsk und Islännsch/yslänsk. Das “i” fällt also – im Vergleich zum Deutschen – weg. Es bei Gebrauch im Deutschen wieder einzufügen liegt also nahe.

Und damit wäre ich am Ende der kurzen Erläuterung gekommen, die dann doch nicht so kurz wurde. Naja, die Dinge liegen halt ein wenig kompliziert. Nur ein ganz kleines bisschen natürlich. 😉

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